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Lesen und Talken

 

Bibliosophie? Was für ein Wort! Freude am geschriebenen Wort. Freude am Denken mit dem geschriebenen Wort, an der Erfassung dessen, was der Schreiber zum Ausdruck bringen wollte. Manchmal ist das nicht einmal notwendig. Es genügt, wenn der Schreiber in mir etwas zum Anklingen bringt und wenn er mich nur weiterführt und mir gestattet, seine Gedankenwelt mit meiner auszutauschen. Machen wir aus Monologen Dialoge!

 

Bücher, über die man reden sollte!

 

In memoriam Paul Watzlawick

Paul Watzlawickmeines Erachtens ein großer Kommunikationspsychologe ist im Herbst 2008 verstorben. Er hat die Psychologie bereichert, auch wenn ihm der Entwurf einer großen Theorie oder Therapieform nicht gelungen ist. Er hat viele bereichernde Werke zur Alltagspsychologie geschrieben und seine Axiome lassen sich in der Beratungspraxis gut umsetzen, zum Beispiel zur Analyse von Beziehungen und Kommunikationsvorgängen in Betrieben und Gruppen. Er stand unberechtigterweise immer etwas im Schatten seiner zeitgenössischen Kollegen der humanistischen Psychologie, wie Bandura, Rogers, Maslow u. a. Wir werden mit seinen Gedanken und Erkenntnissen arbeiten.

 

Unbedingt lesenswert:

 

Paul Watzlawick, John H. Weakland, Richard Fisch: „Lösungen – Zur Theorie und Praxis menschlichen Wandels“. Huber-Verlag, Bern 1974

Unbedingt empfehlenswert, wenn man menschliches – vor allem verbales – Verhalten des Menschen erkennen und ändern will.

 

Paul Watzlawick, H. Beavin, Don D. Jackson: „Menschliche Kommunikation – Formen, Störungen, Paradoxien“. Huber-Verlag, Bern 1969

In diesem Buch sind die Axiome des menschlichen Umgangs miteinander beschrieben.

 

Paul Watzlawick: „Anleitung zum Unglücklichsein“. Piper Verlag, München 2010

Ein Millionen-Bestseller für die Nicht-Psychologen und Nicht-Therapeuten mit dem Grundtenor: „Warum machen wir uns alle das Leben so schwer?“

 

Bücher, über die man reden kann!

 

Helga Schneider: „Lass mich gehen“. Piper Verlag, München 2003

Eine Tochter schreibt über die Wiederbegegnung mit ihrer Mutter nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Mutter hatte ihre Tochter weggegeben, um bei der Schutzstaffel (SS) zu arbeiten und Konzentrationslager-Aufseherin zu werden.

 

Ich hatte eine Mutter, die selbst noch in der Nachkriegszeit von der „großen Idee“ überzeugt war. Allerdings hätte sie nie ihre Familie für die Ideologie des Nationalsozialismus geopfert. Ich (Jahrgang 1941) erinnere mich während meiner Gymnasialzeit noch lebhaft an die vehementen Dialoge über diese Zeit.

 

Bernhard Schlink: „Der Vorleser“. Diogenes Verlag, Zürich 1995

Diese Buch sollte man eigentlich mit dem zuvor erwähnten Werk synchron lesen.

 

Für die junge Generation, für die der Nationalsozialismus Geschichte ist, dürfte es schwer sein, nachzuempfinden, wie junge Menschen damals gedacht haben. Anscheinend entwickelte sich in der Kriegszeit so etwas wie eine Selbstrettungsmoral. Man könnte auch sagen, eine sich selbst entschuldigende Handlungsführung, ein Verschieben von Schuld und Verantwortung oder ein Gefühl des Nicht-Betroffenseins. Könnte dieses Buch im Deutschunterricht trotz seiner freizügigen Erotik (im ersten Teil) Eingang finden? Nachdem es den „Vorleser“ als wirklich guten Film gibt, ist es eine Gewissensfrage wie damals bei „Dr. Schiwago“. Erst den Film oder erst das Buch …

 

Sergio Bambaren: „Die Rose von Jericho“. Piper Verlag, München 2006

Ein esoterisch therapeutisches Buch, in dem der Weg eines Menschen aus der Verzweiflung in das Licht des Lebens geschildert wird. Es werden Schritte beschrieben, wie man aus dem Gefängnis von Depression und Alkoholabhängigkeit behutsam herausgeleitet werden kann. Es wird ein spiritueller und praktischer Zwölf-Schritte-Weg an die Hand gegeben, auf dem auch Gott und das Gebet wichtig sind, um zur Lösung bzw. Erlösung zu finden.

 

Die Welle der Endzeitbücher

Gewöhnen wir uns bitteschön endlich daran, denn anno 2012 wird die Welt untergehen!

 

Einige Verlage widmen diesem Phänomen folgende Bücher:

 

Tibor Zelikovics: „Zeitenwende 2012: Globale Transformation, das Erwachen der Menschheit und der Beginn des Goldenen Zeitalters“. Hans Nietsch Verlag, 2008

 

Gerald Benedict: „Die Maya Prophezeiungen für 2012“. Trinity Verlag, 2009

 

Daniel Pinchbeck: „2012: Die Rückkehr der gefiederten Schlange“. Heyne Verlag, 2009

 

Karin Tag: „Der Geheimcode im Kristallschädel“. Kopp Verlag, 2008

 

Liest man zwei oder drei dieser Bücher, hat man den Eindruck, dass der eine Autor vom anderen abschreibt, oder sie verfügen alle über die gleiche zentrale Geheimquelle. Auch die Filmindustrie produziert (eigentlich schon immer) Endzeit-, Katastrophen-, Sintflut- und Eiszeitfilme.

 

Wer es überleben wird, für den gibt es sogar den Film für die Zeit danach:

 

Sharron Rose: „2013 – Das Erwachen der Neuen Menschheit. Die Zukunft beginnt jetzt“. AMRA Verlag, 2009

 

Der Mensch in postmodernen (allein diese Wortschöpfung sagt viel aus) Zeiten scheint eine Sehnsucht nach Katastrophen zu entwickeln. Wo soll man sonst mit seiner Überdrüssigkeit an materiellen Dingen schlechtweg hin?

 

Die Wirtschaft ist unberechenbar geworden, die Banken haben unser Vertrauen verloren, in die Religion darf sich unser rationaler Homo oeconomicus auch nicht flüchten und der Fahrplan für die Fahrt zu anderen Planeten scheint noch nicht ganz fertiggestellt zu sein. Wir sind auf dieser kleinen Erde nur noch zu beweinen, aber wer in der großen Milchstraße weiß schon, wo wir wohnen.

 

Natürlich gibt es zu diesen Büchern, die das Dasein vermiesen, auch Gegenbücher:

 

Felix Leibrock: „Mögen Engel dich tragen“. Rosenheimer Verlagshaus, 2008

 

Annerose Sieck: „Trauer bewältigen. Tod und Trauer verstehen. Wieder ins Leben zurückfinden. Mit der Erinnerung leben“. Humboldt Verlag, 2012

 

Anselm Grün: „Verwandle deine Angst“. Herder Verlag, 2011

Pater Anselm Grüns helfende und tröstende Worte in allen Lebenssituationen.

 

Es gibt auch Bücher, wie man aus dem Finanzcrash als Gewinner hervorgeht, wie man trotz des Zumwinkel-Effekts das wenige Geld, das einem noch geblieben ist, steuerneutral anlegen kann. Lesenden Afrikanern, die erleben, wie die Globalisierung ihre Familien in den Hunger treibt, müssen die meisten unserer Bücher dieses Genres als Hohn, als Ausdruck einer müden Lebensfreude oder einer sich selbst bedauernden Generation von westeuropäischen Lebensflüchtern empfinden. Manchmal generiert diese westeuropäische Lebensmüdigkeit und Flucht ins Übersinnliche das Gefühl, als hätte jemand einer ganzen Generation ihr Spielzeug weggenommen. Eine ganze Generation hat etwas Infantiles angenommen, das sich in einer bestimmten Art von Literatur widerspiegelt.

 

Doris Lessing: „Das fünfte Kind“. Hoffmann und Campe Verlag, 2010

David und Harriet, ein junges Paar in England – besessen von einer Utopie der glücklichen Familie – schafft sich laufend Kinder an, bis es an seine finanziellen, nervlichen und pädagogischen Grenzen stößt. Das fünfte Kind wird der Bastard, der aus dem Ruder läuft. Es ist leicht behindert, lernschwach, sozial auffällig und in der Endstufe ein krimineller Außenseiter. Wie konnte das in dieser glücklichen Familie geschehen?

 

Siri Hustvedt: „Die Leiden eines Amerikaners“. Rowohlt Verlag, 2009

Ein subtiler Spiegel der amerikanischen Gesellschaft aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein Psychiater analysiert seine eigenen Neurosen und die seiner Umgebung. Dabei verarbeitet er seine Kindheit. Es findet auch eine kritische Abrechnung mit dem Vater statt.

 

Mariela Sartorius: „Die hohe Kunst der Melancholie“. Gütersloher Verlagshaus, 2011

 

Früher war Melanacholie ein Seelenzustand, der zu hoher Kunstform avancierte. Heute ist Melancholie eine Abart der Depression, die doch ab und zu etwas Hausgemachtes an sich hat. Ein lesenswertes, nicht allzu psychologisches Buch!

 

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