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Des Deutschen Sprachbuch

(wundersam)

 

oder

 

Die Geschichte des immer hinterherhechelnden Duden

(The Story of the „Behind-Running-Duden“)

 

Wörter, Begriffe und Sentenzen, die das Leben, Zeitungen, Politiker, mediengeile Wissenschaftler und ähnliche Personen prägen.

 

No. 1

Nachhaltigkeit

Nachhaltig ist, wenn alles wieder nachwächst, was wir verbrauchen, wenn wir nicht mehr verbrauchen als wir sowieso schon verbrauchen. Für die gefällte große Eiche pflanzen wir eine kleine Eiche nach. Wir pflanzen für den Biosprit endlos Mais und Soja an, damit wir das Erdöl schonen. Nebenher machen wir mit den Monokulturen die Böden kaputt, nehmen den Afrikanern ihre Ernährungsgrundlagen weg, damit sie noch mehr hungern und sich nicht so vermehren. Klar?

 

No. 2

Erdung

Anscheinend sind Teile unserer Bevölkerung so abgehoben, dass sie sich laufend in esoterischen Zirkeln und spirituellen VHS-Kursen erden müssen, weil sie so viel kosmische Energie herunterladen, sodass die Fußsohlen kribbeln. Sehr energiesparend für die nähere Umgebung, weil ihr Haupt so leuchtet. Meist bezeichnen dieselben sich auch noch als erleuchtet. Der Normalmensch braucht keine Erdung, weil er mit beiden Beinen auf der Erde steht.

 

No. 3

Bodenhaftung

Jeder Politiker gibt vor, sie zu haben, weil er sich in des Volkes Menge baden will und sich am Puls der Zeit fühlt. Das Wort erinnert ein wenig an Bodenhaltung. Der Staat als großer Hühnerstall! Manche Politiker haben automatisch Bodenhaftung, weil sie mit ihren Schuhen an der Hühnerscheiße und am Mist, den sie selbst produziert haben, kleben bleiben.

 

No. 4

Genervt – entnervt

… gab der Politiker auf … Man beachte die Abstufung: Erst schikanieren die einen die anderen dermaßen, dass diese genervt sind. Das heißt, man geht sich auf die Nerven usw. Auf der zweiten Stufe ist man jemandem so auf die Füße gestiegen oder hat ihn/sie so verletzt, dass er/sie entnervt aufgibt. Das heißt, die Nerven liegen blank. Zu den klassischen Nervern gehörten früher Kundinnen im Schuhgeschäft. Heute könnte man eine Kassiererin bei Aldi zum Wahnsinn treiben, wenn man hundertmal nach dem Verfallsdatum fragt oder ein Joghurt um drei Cent billiger haben will, weil ebendieses Verfallsdatum um einen Tag überschritten ist.

 

No. 5

Kakophonie

(SZ vom 13.10.2011)

Dieser Begriff beschreibt den Sound in dem neu eröffneten Besucherzentrum des EU-Parlaments in Brüssel. Europa als Klangrausch zwischen Vogelgesang und Meeresbrandung. High-Tech-Sourround mit 10000 Watt. So klingt Europa für Schwerhörige. Um keine Aberrationen in die Sprache des Prekariats zuzulassen, sei gesagt, dass Kakophonie aus dem Griechischen kommt und Missklang oder schlecht klingende Ton- oder Lautfolge (kakos = schlecht und phone = Ton, Klang) bedeutet.

 

Nun wird man aber trotzdem den Gedanken an die fäkale Bedeutung des Wortes nicht ganz los, denn welcher Dirigent oder Bandleader hat noch nie zu seinen Mannen nach einer Probe gesagt: „Leute, das klingt Scheiße …“

 

No. 6

Gehirnblond

Am 29.10.2011 um 9.30 Uhr von einem Kommentator in Bayern 2 im Zusammenhang mit gewissen Politikerinnen aus dem Umfeld von Frau Merkel (damals noch amtierende Bundeskanzlerin) verwendet. Das Wort soll wohl aussagen, dass das Gehirn mancher Menschen (man sollte es geschlechtsneutral sehen!) eine Intelligenzstufe erreicht hat, die man in früheren Zeiten, als die Blondinenwitze grassierten, denselben zuschrieb.

 

No. 7

Braune Soße

Nicht zu verwechseln mit brauner Sauce, einer wohlschmeckenden Beigabe zu Sauerbraten und böhmischen Knödeln (für Nordlichter: Klöße).

 

Hierunter ist wohl eher das abgelassene Machwerk (wörtlich und schriftlich) mancher Politiker und sich selbst ernannter Historiker zu verstehen, die noch nicht begriffen haben, dass Nationalismus nicht mit Nationalsozialismus verwechselt werden sollte, und dass die Geisterreiter, die Deutschland in Schutt und Asche gelegt haben, schon tot sind.

 

No. 8

Bankzinsenluder

Ohne eine Bewertung der Finanzpolitik unserer Bundeskanzlerin „es Andschela“ (Priol) vornehmen zu wollen, ergibt die Umstellung der Buchstabenfolge des Wortes „Bundeskanzlerin“ das Anagramm „Bankzinsenluder“. (Quelle Internet)

 

No. 9

„Politzophie“

(eigene Wortschöpfung des Autors)

Darunter versteht man die philosophische Verbrämung belangloser politischer Aussagen oder Redeteile – vorwiegend im Bundestag oder bei Talkrunden im Fernsehen. Darunter fallen auch aus der Gymnasialzeit hängen gebliebene Zitate von Sokrates, Seneca, Platon, Homer, Einstein usw. oder von Rhetoriktrainern eintrainierte gängige Aphorismen und Sentenzen.

 

No. 10

Hinterfragen

Diese entsetzliche Wortschöpfung der Neopädagogen der siebziger Jahre! Dieses Wort leitete auch die antiautoritäre Erziehung ein. Kinder sollten alles hinterfragen: den Erziehungsstil der Eltern, die Autorität der Lehrer, den Sinn religiöser Glaubenssätze, die Normen und Werte der Gesellschaft, warum man bei Rot an einer Ampel stehen bleiben muss und den Sinn des Lebens an sich. Das bedeutete in dieser Zeit, dass Eltern und Lehrer in endlose Diskussionen einsteigen mussten, bis wirkungsvolle Handlungen zustande kamen. Dadurch wurde das Demokratieverständnis der Jugend gefördert und Kinder konnten selbständig entscheiden, ob sie mit roten oder blauen Söckchen in den Kindergarten gehen wollten.

 

Die gesellschaftlichen Folgen der Hinterfragerei wurden bald sichtbar: eine orientierungslose Jugend, die sich selbst den geheimen Verführern (Massenmedien, Alkohol, Drogen, Computerspiele usw.) zum Fraße vor die Füße warf.

 

Es bleibt die Frage, woher der hohe Prozentsatz jener Jugendlichen kommt, die unter-/hinterfragt das Richtige getan und ohne viele Fragen ihr selbst Leben in die Hand genommen haben.

 

No. 11

Sich einbringen

Häufig in esoterisch angehauchten therapeutischen und pädagogischen Kreisen zu hören. Gut ist, wenn man sich diesen Begriff bildlich vorstellt: Jemand nimmt sich in einem Gruppenraum auf den Arm oder trägt sich selbst auf der Schulter. Bei adipösen Teilnehmerinnen und Teilnehmern sind Probleme angesagt!

 

No. 12

Neo …

Von Knut Cordsen in der Süddeutschen Zeitung (Nr. 195/2012) in seinem „Phrasenmäher“ aufs Korn genommene Vorsilbe. Sloterdijk äußerte in einem Buch die Meinung, dass wir ein Zeitalter der „Neolatrie“ hätten: Alle Kunstgattungen erfahren gerade einen Neostil, alles erfährt eine Neorenaissance. Welch ein Widerspruch des Zeitgeschehens, wo wir doch eigentlich in einer Postphase sind: Postmoderne, Spätkapitalismus werden zu Neokapitalismus. Bei den Neonazis wird es schwierig, weil diese eigentlich Altnazis sind und schon nach dem Zweiten Weltkrieg Neonazis waren. Wenn wir bei dieser Kälte (Februar 2012) segeln, surfen oder tauchen wollen, sollten wir unseren Neo-prenanzug nicht vergessen …

 

Wie wäre es, wenn wir Menschen mit unserem immer noch genetisch bestehenden Gehirn des Neandertalers einen „Neo-andros“ schaffen könnten, der unserem Wirtsplaneten wirklich etwas Neues bietet.

 

No. 13

Format

Es war im Bayerischen Rundfunk bei der „Neopräsentation“ einer Sendung zu hören. Die Sendung war ein Format, ich vermute eine neu konzipierte Art von Sendung, die "produced" wurde.

 

Ich nehme an, dass für die Event Producers/Managers die Party des Bundespräsidenten Wulff am 11.02.2012 zur Eröffnung der Berliner Filmfestspiele auch ein Format war.

 

Früher haben wir einmal Datenträger formatieren müssen, erinnern wir uns noch? 

 Das Format kann gemacht worden sein, muss aber kein Format haben, ebenso wenig wie der Macher des Formats. Das Format ist, muss aber keines haben.

 

No. 14

Digitales Anführungszeichen

Es ist immer nett in Gesprächen zu beobachten, vor allem bei Jugendlichen, wie irgendwelche Begriffe oder Sentenzen betont oder eingeschränkt werden:

 

Man hebt gleichzeitig den linken und rechten Arm etwas an, hebt und senkt den Zeigefinger in schneller Folge, als würde man was von der Wand abkratzen mehrmals rhythmisch und synchron. Das war’s! Man beachte hierbei, dass der Begriff „digital“ in diesem Fall nichts mit Computern zu tun hat. Das Wort „Digitus“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Finger.

 

No. 15

„Vermaisen“

Irgendein Landwirtschaftsminister hat es herausgelassen: Unsere Landschaft erstickt in Mais, so weit das Auge reicht. Mais ist zur Monokultur geworden. Die Ästhetik einer reich gegliederten Landschaft ist verloren gegangen. Im Herbst donnern die inzwischen zu Ungetümen gewordenen Erntemaschinen über die Felder bis tief in die Nacht hinein, weil diese Monster im Schichtbetrieb rentabel arbeiten. Es klingt wie das dumpfe Donnern auffahrende Panzer im letzten Weltkrieg. Die Betonwannen der Bodensilos zerstören den – falls vorhanden gewesen – anmutigen Anblick einer Voralpenlandschaft.

 

No. 16

„Scheiß Mais“

Allgemeines Schimpfwort der Landbevölkerung bezüglich der Diktatur des Maisanbaues. Der Maisanbau wird den Landwirten aufgezwungen, ebenso die Abnahme des Saatgutes von bestimmten Herstellern. Millionen Tonnen von Maissilage bleiben in den Bodensilos bis zur nächsten Ernte als nicht verfütterbar oder unverkäuflich über. Dafür wird die Landschaft verschandelt: Die Monokultur des Maises führt zu steigender Bodenerosion, zu mehr Gifteinsatz und Kunstdüngerverbrauch sowie zu immer größeren und schwereren Erntemaschinen. Das entspringt natürlich der Diktatur der Agrarindustrie sowie der unendlichen Profitgier.

 

No. 17

Grenzwertigkeit

Grenzwerte gibt es zuhauf und man darf hoffen, dass manche nicht überschritten werden, zum Beispiel in Atomkraftwerken, bei Giftemissionen, Schadstoffbelastungen und in der Wirtschaft bei Kreditvergaben. Im Handel kennt man Limits, bis zu denen etwas verkauft oder ein Lager geräumt werden darf. Wer hat aus dem Begriff „Grenzwert“ ein Eigenschaftswort gemacht? Politiker! Sie sprechen plötzlich von einer Grenzwertigkeit im Humanbereich. Da gibt es beispielsweise grenzwertige Personengruppen, wie Hartz-IV-Empfänger, grenzwertige Leistungsgruppen unter Schülern, grenzwertige Menschen, wie Kranke und Rentner usw. Der Grenzwert wird durch die Vertreter unserer Leistungsgesellschaft festgelegt. Wer sich noch im Limit befindet, wird mitgenommen, wer sich außerhalb des Limits bewegt, ist eben draußen …

 

No. 18

Gefühlte zwanzig Grad

Irgendein Wettermoderator à la Kachelmann mag den Begriff wohl eingeführt haben: Was hilft es mir, wenn ich zwanzig Grad fühle und bei meinem Auto die Scheiben freikratzen muss? Wird eine junge Frau im Herbstwind, die von innerer Liebesglut erhitzt ist, im Tanga Bikini über den Stachus laufen? Was wäre, wenn Bäcker und Hausfrauen Brot und Kuchen nach gefühlten Temperaturen backen würden? Es gibt viele Situationen, in denen man sich mehr auf die Thermostate verlassen sollte, als auf die Gefühle.

 

No. 19

Fremdschämen

Dieser Ausdruck stammt von Frau Anette Schavan und wurde von ihr im Januar 2013 anlässlich der "Guttenberg-Affäre" geprägt. Es bleibt zu erforschen, wer sich für wen schämen soll: Ich für den Anderen oder die Anderen für mich? Nachdem in der heutigen individualisierten Gesellschaft jeder Einzelne für seine Handlungen verantwortlich ist, wäre das Wort "Eigen-Schämen angebrachter. Das Wort: "Scham" oder "Schamhaftigkeit" dürfte in der Deutschen Sprachkultur augerottet sein.

 

No. 20

Prekariat

Von Soziologen geprägte und von FDP-Politikern gern zitierte Wortschöpfung, die dann in den Mund genommen wird, wenn man das Wort "Unterschicht" nicht mehr  aus Gründen der "political-correctness" verwenden sollte. Das statistische Zuordnen von Individuen zu bestimmten sozialen Gruppenmerkmalen wie "einkommensschwach" fällt damit manchem leichter.

 

No.21

Gender....

 

 

No.22

"Hybridleser

 

Ein Leser, der "digital" und "analog" fast gleichzeitig liest. Der Begriff wurde in einem Kommentar zur Frankfurter Buchmesse in der Augsburger Zeitung am 13.10.13 von Jesko Schulze-Reinpell vorgestellt.

 

 

 

 

 

 

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